Weihnachten, die Zeit der Nächstenliebe und der mahnenden, wenn auch zuversichtlichen Predigten und Reden ist vorbei, alle bei Media Markt gekauften Geschenke, die das Fest „unterm Baum entschieden“ haben, sind ausgepackt.

Prof. Dr. Heitmeyer
Im Nachhinein nachdenklich, wie viel wohl nur schöner Schein war, stimmt die Reportage „Maria und Josef im Ghettos des Geldes“, die am 2. Weihnachtsfeiertag auf zeit.de (und schon vor Weihnachten in der Printausgabe der ZEIT) veröffentlicht wurde. In ihr berichten eine Schauspielerin und ein Journalist, wie sie als Obdachlose verkleidet kurz vor Weihnachten sechs Tage lang versuchen, bei einigen der Reichsten unserer Gesellschaft im Taunus für die Nacht Unterschlupf zu finden. Nur einmal gelang es: bei einem Pfarrer. Die anderen schienen merkwürdig darüber erstaunt zu sein, dass die Armen gerade von den Reichen Hilfe erwarteten. Geholfen haben „eigentlich nur die Helfer der Reichen“. Für den Bielefelder Sozialwissenschaftler Wilhelm Heitmeyer kommt dies nicht überraschend. In einem Gespräch mit der ZEIT sagte er: „Das ist die Folge eines weitverbreiteten ökonomistischen Menschenbildes. […] In der Selbstwahrnehmung der Vermögenden strotzen deren Biografien vor Effizienz, Nützlichkeit und Verwertbarkeit. Dazu kommen durch ihre Sozialisierung – etwa durch Abschottung, ihre Wohnlage – bestimmte Habitusmuster. Dazu gehört Gleichgültigkeit gegenüber Obdachlosen.“ Heitmeyer schreckt nicht davor zurück dies als eine elitäre Parallelgesellschaft zu bezeichnen, der die gesellschaftlichen Probleme egal sind und denen es nur um die Sicherung ihres eigenen Status geht.
Heitmeyer ist der Herausgeber der Deutschen Zustände, deren 10. Folge soeben in der Edition Suhrkamp erschien. Hierbei handelt es sich um eine zusammenfassende – aber sicherlich nicht abschließende – Auswertung einer Studie zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die Wissenschaftler_innen der Universität Bielefeld seit 2002 jährlich erhoben haben.
Der zuerst etwas umständlich erscheinende Begriff gruppenfeindliche Menschenfeindlichkeit stellt einen Überbegriff für ein soziales Phänomen dar, welches in vielen verscheiden Bereichen, Ausformungen und Konstellationen zu beobachten ist: die Abwertung einer bestimmten Gruppe von Menschen durch andere. „Menschenfeindlichkeit“, so Heitmeyer, „wird erkennbar in der Betonung von Ungleichwertigkeit und der Verletzung von Integrität“.
Diese drückt sich in der abschätzigen Meinung aus, die Reiche gegenüber Armen und (Langzeit-)Arbeitslosen haben, nicht Behinderte gegenüber Behinderten, „Deutsche“ gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund oder dezidiert muslimischer oder jüdischer Religion, aber auch muslimische Jugendliche gegenüber jüdischen, Männer gegenüber Frauen, Heterosexuelle gegenüber nicht Heterosexuellen – die Liste ist fortsetzbar. Als Ergebnis der Studie wird der Schluss gezogen, dass in unserer Gesellschaft nicht nur durch sehr große Ungleichheit sondern auch eine „regelrechte Ideologie der Ungleichwertigkeit“ gezeichnet ist. Wer arm ist hat also nicht nur weniger Geld als die anderen, er/sie ist auch faul, dumm, unproduktiv und als Mensch weniger wert als diejenigen, die mehr haben. In den Deutschen Zuständen wird dieser Mechanismus in vielen verschiedenen Artikeln mit unterschiedlicher Fokuslegung beleuchtet.
Es wird eine Kollektivität der eigenen Gruppe erzeugt und eine Kollektivität der anderen Gruppe projiziert. „Die Gruppe als ganze wird abgewertet. Das Interesse am einzelnen Schicksal spielt keine Rolle mehr“, so Heitmeyer. Um diesen Vorgang zu beschreiben benutzt er einen Begriff, der im Kern marxistisch ist und deutlicher kaum sein könnte: „Klassenkampf“. Aber es handele sich nicht um einen Klassenkampf, wie er normalerweise verstanden würde, sondern um einen „von oben“. Dies will bedeuten dass, während z.B. die Reichen recht deutlich eine Klasse für sich, also mit einem Klassenbewusstsein und einem Zusammenhalt innerhalb ihrer Klasse, haben, die, gegen die sich von oben herab abgegrenzt wird, häufig lediglich eine Klasse an sich darstellen, ohne ein Zusammenhörigkeitsgefühl und eine Option zum gemeinsamen Handeln. Dies lässt sich gut an einer in Deutsche Zustände dargestellten Einstellung erkennen, die sich in der Wahrnehmung des Sozialen niederschlägt: Dass es immer noch jemanden zu geben scheint, der/die gesellschaftlich unter einem zu stehen scheint: Die Geringverdiener_innen beschweren sich häufig über die Arbeitslosen, die Arbeitslosen über „die Türken“ (die häufig synonym mit „den Muslimen“ verwendet werden), türkischstämmige Jugendliche über Juden… eine absolut unvollständige Liste, deren verschiedene Subjekte viele Querverbindungen zulassen.
Ausschließlich so schwarz lässt sich das Bild selbstverständlich nicht malen: so haben die Wissenschaftler_innen beobachtet, dass sexistische Ressentiments und Vorurteile gegen behinderte Menschen in den letzten Jahren zurückgingen. Der Schauspielerin und dem Reporter, die durch die „Ghettos des Geldes“ streiften, fanden Menschlichkeit – wenn auch nicht unbedingt bei den Reichen, so doch bei deren „Helfern“. Es gibt also auch Hoffnung.
Doch die Ökonomisierung des Privaten hat in den letzten Jahren tatsächlich erschreckend zugenommen: Menschen werden spürbar immer mehr aufgrund ihrer (häufig vermeintlichen) wirtschaftlichen(!) Leistungsfähigkeit für die Gesellschaft kategorisiert und in den Köpfen sortiert. Ein prominentes Beispiel hierfür lieferte vor einiger Zeit der Philosoph Peter Sloterdijk in seinem Essay „Die Revolution der gebenden Hand“, das im Juni 2009 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien. Hierin behauptete Sloterdijk, dass die Steuern, welche Reiche zu bezahlen haben, letztendlich Diebstahl seien. Er bezeichnete sie als einen „moderne[n] Habitus der Respektlosigkeit vor dem geltenden Recht […] auf die Unverletzlichkeit des Eigentums. Respektlos wird, wer das „Bestehende“ als Resultat eines initialen Unrechts zu durchschauen glaubt.“ Nicht also die Reichen seien Schuld an der Armut der Massen, sondern die Armen seien schuld daran, dass sie den Reichen auch noch ihr gerecht erworbenes und durch das Recht gesicherte Eigentum streitig machten. Die Lösung ist dann klar: Almosen für die Armen! An Sloterdijks Analyse („Der größte Nehmer ist aber der moderne Staat. Wir leben in einem steuerstaatlich zugreifenden Semi-Sozialismus“) schließt sich deshalb auch gleich eine tiefe Verwunderung darüber an, dass es trotzdem noch so ruhig ist: „und niemand ruft zum fiskalischen Bürgerkrieg auf“. Sloterdijk, der mit dieser stumpfen Ideologie, noch wochenlang Feuilletons und Fernsehen bereisen durfte, fordert also nichts anderes als einen – und das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – fiskalischen Bürgerkrieg, gegen den enteignenden und kriminellen Unrechtsstaat und letztendlich die räuberischen Armen. Diese Einstellung meinte Heitmeyer, als er von einer „rohen Bürgerlichkeit“ schrieb, die sich „in ihrer Selbstgewissheit nicht stören [lässt]: Die Würde bestimmter Menschen und die Gleichwertigkeit von Gruppen sind antastbar“. Nicht ohne Grund schrieb Sloterdijk von dem Recht der Unverletzlichkeit auf Eigentum als dem „bürgerlichsten der Rechte“. Wenn Sloterdijk ohne Weiteres Artikel 14, Absatz 2 des Grundgesetzes („Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“) hinweg wischt und zum „Bürgerkrieg“ und zur „Revolution“ aufruft, wirkt es nur schlüssig, dass auch Axel Honneth, Leiter des renommierten Frankfurter Instituts für Sozialforschung, in seiner Entgegnung auf Sloterdijk, unter dem Titel „Fataler Tiefsinn aus Karlsruhe“ (erschienen im September 2009 in DIE ZEIT), von einem „Klassenkampf von oben“ schrieb. Honneth bezeichnet die Idee des Sozialstaates als „institutionalisierte „Klepokratie““ als „baren Unsinn[…], der sich einer Mischung aus historischer Ignoranz und theoretischer Chuzpe verdankt“.
Dieser intellektuelle Unsinn, die rohe Bürgerlichkeit, der besonders gelagerte Klassenkampf, zeigt sich an vielen verschiedenen Stellen, auch und gerade in einer Großstadt wie Hamburg. Wenn man den Blick auf die Universität richtet und sich die Ziele der Bachelor/Master-Reform anschaut, wenn man die Diskussionen um das Ziel der „Exzellenzuniversität Hamburg“ betrachtet, die in einem Zug mit Harvard genannt werden soll und den Wirtschaftsstandort Hamburg sichert. Und auch wenn man die Debatte um den „Obdachlosenzaun“ unter der Kersten-Miles-Brücke verfolgt, wird es offenbar. Gut ein Drittel der Bundesbürger_innen, so ein Ergebnis der Deutschen Zustände, wünschen sich, dass Obdachlose aus den Fußgänger_innenzonen entfernt werden. Die Ökonomisierung des Privaten wird offensichtlich, wenn über die – als „Rückführung“ sprachlich verharmlosten – Abschiebungen von z.B. Roma in die ehemals jugoslawischen Staaten in einer Rhetorik gesprochen wird, die auf „wenn wir die alle hier behalten, ist der Sozialstaat in drei Monaten pleite“ oder „die integrieren sich doch gar nicht richtig“ basiert oder hinausläuft. Die massive Diskriminierung, der sich Roma in den Ländern, in die sie abgeschoben werden, ausgesetzt werden, wird völlig ausgeblendet, es geht lediglich noch um die Sicherung des eigenen Status in krasser Abgrenzung zum „nichtintegrierten anderen“. 61 Prozent der Bundesbürger_innen sind der Ansicht, dass derzeitig zu viele „schwache Gruppen“ mitversorgt werden, lautet ein anderes Ergebnis der Deutschen Zustände.
Es sind aber keineswegs nur die Champagner trinkenden Reichen, die in der zurückgezogenen Semi-Anonymität ihrer Golfvereine und Charity-Clubs außerhalb der Augen des Großteils der Gesellschaft ihren Ressentiments frönen. Es sind auch Menschen, die sich immer selbst ganz offen als Sozialdemokrat(_inn)en verstanden, wie Peter Sloterdijk, oder aber sich ganz offiziell so nennen dürfen wie Thilo Sarrazin, Heinz Buschkowsky oder Markus Schreiber. Die Trennlinie zu den elitären Parallelgesellschaften (mitnichten gibt es nur eine!) läuft geistig und materiell mitten durch die Gesellschaft und auch mitten durch die deutsche Sozialdemokratie.
Man wünscht sich nach der Lektüre der vorerst letzten Folge der Deutschen Zustände, dass dieses Projekt und die Diskussion über die dadurch aufgeworfenen Fragen noch nicht abgeschlossen sind, dass die vorliegenden Daten noch weiter ausgewertet werden und über die tagesaktuelle und medienwirksame Empörung und die Weihnachtsansprachen hinaus Beachtung finden. Realistische Politik muss sich – das sagt schon der Name – an der Realität orientieren. Zur Aufklärung darüber, wie die gesellschaftliche Realität in Deutschland im Jahr 2012 aussieht, leisten die Deutschen Zustände einen unverzichtbarer Beitrag.
von Oliver Vornfeld, Juso-Kreisverband Harburg
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Wilhelm Heitmeyer (Hrsg.): „Deutsche Zustände – Folge 10“. Edition Suhrkamp, 336 Seiten, 15 Euro, ISBN: 978-3-518-12647-9
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Peter Sloterdijk: „Die Revolution der gebenden Hand – Die Zukunft des Kapitalismus, Teil 8“, erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 13.6.2009, abrufbar unter: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kapitalismus/die-zukunft-des-kapitalismus-8-die-revolution-der-gebenden-hand-1812362.html
Axel Honneth: „Fataler Tiefsinn aus Karlsruhe – Zum neusten Schrifttum des Peter Sloterdijk“, erschienen in DIE ZEIT Nr. 40/2009, abrufbar unter: http://www.zeit.de/2009/40/Sloterdijk-Blasen/seite-1
Viola Heeß/ Henning Sußebach: „Maria und Josef im Ghetto des Geldes“, erschienen am 22.12.2011 in DIE ZEIT Nr. 52/2011, abrufbar unter: http://www.zeit.de/2011/52/DOS-Maria-und-Josef
“Klassenkampf von oben” – Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer über die “Parallelgesellschaft” der wohlhabenden Deutschen, erschienen am 22.12.2011 in DIE ZEIT Nr. 52/2011, abrufbar unter: http://www.zeit.de/2011/52/DOS-Maria-und-Josef-Gespraech
In den vergangen zwei Jahren ist uns etwas gelungen, das viele für unmöglich gehalten hatten: Wir haben den Naziaufmarsch in Dresden erfolgreich blockiert. Tausende Nazis konnten ihr eigentliches Ziel, mit einer Großdemonstration ihre menschenverachtende Ideologie zur Schau zu stellen, nicht erreichen.
Mit dem Aufmarsch im Februar versuchten sie in den vergangenen Jahren, an das Gedenken an die Bombardierungen Dresdens im Februar 1945 und den damit einher gehenden Mythos der „unschuldigen Stadt Dresden“ anzuknüpfen. Auch durch Ignorieren und Wegschauen seitens der Stadtverwaltung und eine mangelnde Entschlossenheit großer Teile der Dresdner Zivilgesellschaft konnte dieser Termin zu Europas größtem Naziaufmarsch mit bis zu 7000 Teilnehmenden werden. Doch die Dynamik der Aufmärsche ist gebrochen. Zu verdanken ist dies insbesondere dem entschlossenen Handeln von zwölftausend (2010) und zwanzigtausend Menschen (2011), die mit Massenblockaden den Marsch der Nazis verhinderten.
Wir wenden uns gegen jede Form von Geschichtsrevisionismus. Alten und neuen Nazis darf keine Gelegenheit gegeben werden, die deutsche Geschichte zu verklären und die NS-Verbrechen zu verherrlichen. Daher werden wir am 13. Februar 2012 den „Täterspuren“-Mahngang durchführen, um an die NS-Geschichte in Dresden zu erinnern.
„Sagen, was man tut, und tun, was man sagt“ – durch dieses Motto war unser Handeln der letzten Jahre geprägt. Dabei bleibt es! Uns eint das Ziel, den Naziaufmarsch durch Massenblockaden zu verhindern. Unser Ziel ist dabei nicht die Auseinandersetzung mit der Polizei. Wir sind entschlossen, den Naziaufmarsch zu blockieren – von uns wird dabei keine Eskalation ausgehen. Wir sind solidarisch mit allen, die mit uns das Ziel teilen, den Naziaufmarsch zu verhindern.
„Unsere Vielfalt ist unsere Stärke“ – das war unser Credo der letzten Jahre. Dabei bleibt es! Mit einem breiten Bündnis aus Antifagruppen, lokalen Initiativen und Aktionsgruppen, Gewerkschaften, Parteien und Jugendverbänden, religiösen Gruppen sowie zahlreichen weiteren Organisationen und Einzelpersonen haben wir deutlich gemacht: Blockaden sind legitim, und Dresden geht uns alle an!
AntifaschistInnen wurden in den letzten Monaten vermehrt mit staatlichen Repressionen überzogen. Rechtswidrige Funkzellenabfragen, politisch motivierte Strafverfahren, selbst Immunitätsaufhebungen werden uns nicht einschüchtern. Versuchen von außen, uns mittels der Extremismustheorie zu spalten, setzen wir unsere Solidarität entgegen. Wir lassen uns nicht spalten. Ziviler Ungehorsam ist unser Recht, unsere Blockaden sind legitim!
Lassen wir uns nicht einschüchtern! Wir protestieren im Februar in Dresden auch gegen die staatliche Aushöhlung des Versammlungsrechts und einen Schnüffel-Staat. In Dresden soll bewusst das Rechtsordnungsprinzip der Verhältnismäßigkeit verschoben werden, um einen „gläsernen Demonstranten“ zu schaffen. Wir treten dem entschieden entgegen. Dabei stehen wir zusammen gegen alle Versuche der Einschüchterung und der Beschneidung unserer Bürgerrechte.
Auch 2012 werden wir den Naziaufmarsch in Dresden blockieren. Die Mordserie der in Sachsen untergetauchten Nazis zeigt einmal mehr, wie wichtig entschlossenes antifaschistisches Handeln ist. Antifaschistisches Engagement darf nicht kriminalisiert, sondern muss unterstützt werden. Jahrelang sind Anschläge, Nazigewalt und Waffenfunde in der Naziszene bagatellisiert worden. Schluss damit!
Wir geben den Nazis keinen Meter Straße preis. Wir blockieren sie in Dresden: bunt und lautstark, kreativ und entschlossen!
Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!
Wir wollen die Veränderungen in Nordafrika und im arabischen Raum betrachten, die Demokratiebewegungen, die Arabellion oder welche Namen hier auch immer verwendet werden für das, was sich abgespielt hat und immer noch abspielt.
Was waren die Triebkräfte, wer die Akteure, wie stehen die Aussichten? Lassen die ökonomischen Verhältnisse und vor allem Organisationszusammenhänge die Entwicklung hin zu mehr Demokratie zu, oder fordern sie sie nachgerade ein? Welche Rolle spielen die neuen Medien, wohin verschieben sich die Kräfteverhältnisse? Dazu zählt auch eine kritische Betrachtung der Rolle Deutschlands und Europas bei diesen Veränderungsprozessen und die aktuellen Anforderungen an Europa. Welche Bedingungen entscheiden über Erfolg oder Scheitern? Wie sind sie beeinflussbar?
Einladung 22.1. Diskussion Nordafrika – ProMS Nord und SPD Stormarn
Reeshoop 50 22926 Ahrensburg
(U1 Ahrensburg-West, Bus 576 bis Ahrensburg Hallenbad)Einladung 22.1. Diskussion Nordafrika – ProMS Nord und SPD Stormarn
Für diese Diskussion darüber haben wir zwei spannende Gäste gewinnen können:
Sabine Kebir, Autorin, hat eine tiefe Kenntnis über die betreffende Region und über ihre Beschäftigung mit Antonio Gramsci einen interessanten Zugang zu gesellschaftlichen Veränderungsprozessen.
Dr. Ulrike Borchardt vom Institut für Friedens- und Sicherheitsforschung in Hamburg wird ihren Schwerpunkt auf die EU Mittelmeerpolitik legen.
Die Nazimorde der Zwickauer Zelle zeigen das wahre Gesicht dieser menschenfeindlichen Ideologie. Die Zeit der Bagatellisierung und des Wegschauens muss vorbei sein. Es reicht!
Noch immer kämpfen die Regierungen Europas für den Erhalt des Euro. Noch immer versuchen die Regierungen, sich die Griechen mit oktroyierten Sparmaßnahmen marktkonform zu schnitzen. Dass die Griechen damit jeder Chance beraubt werden, sich wieder zu erholen ist die Kehrseite, muss wohl hinter dem Ansinnen der Beruhigung der Märkte zurückstehen. Wie sich die BürgerInnen des Landes dabei vorkommen, ist aktuell irrelevant. Dem Diktat der Märkte haben sich mittlerweile ganze Staaten unterzuordnen.
Dort wo die Schwarz/Gelbe-Regierung im Inland versagt, kann auch auf europäischer Ebene nicht mehr verlangt werden und was auf der Makroebene passiert, findet sich ebenso auf nationaler Ebene. Auch in Deutschland werden Menschen immer weiter durch eine zunehmend klaffende Spaltung in Reich und Arm geteilt. Letztere fühlen sich immer weiter abgehängt und entziehen sich zunehmend dem demokratischen System unseres Landes, was sich in abnehmender Wahlbeteiligung verdeutlicht. Dass diese Menschen das Gefühl haben, die Politik kümmere sich nicht um ihre Belange, kann ihnen nicht verübelt werden. Die da „Oben“ haben sich zu lang nicht mehr um die Anliegen aller Menschen gekümmert.
TERMINHINWEIS:
Die Landeszentrale für politische Bildung lädt zu einer besonderen Buchvorstellung. Ingrid Körner, Senatskoordinatoruin für die Gleichstellung behinderter Menschen und Dr. Rita Bake (Landeszentrale für politische Bildung) laden ein:
Dienstag, 18.10. 2011 – 20.00 Uhr Vortragsraum der Landeszentrale für politische Bildung Dammtorwall 1, 20354 Hamburg, (barrierefreier Zugang, GebärdendolmetscherInnen sind vor Ort)
Weitere Informationen hier: Inklusions ander als normal!
Der interimssenator Wersich (CDU) bezeichnete die Abschaffung von Diktaten zum Zwecke der Leistungsmessung als falsche Entscheidung. Den Grünen warf er vor, sie einzig aus ideologischen Gründen vorgenommen zu haben. Nun kann man den Grünen eine gewisse Ideologie nur schwer absprechen – genauso wenig wird einem das jedoch bei de CDU gelingen. Wenn ein Arzt mit dem humanistischen Bildungshintergrund der Gelehrtenschule des Johanneums anderen Ideologie vorwirft, sollte man hellhörig werden. Ihm hätten die Diktate genutzt und deswegen seien sie gut, meint Wersich. Hierauf ließe sich entgegnen, dass nur weil die Einnahme von Aspirin® gegen Kopfschmerzen hilft, man noch lange nicht am offenen Herzen operiert. Ideologie ist ein System gesellschaftlicher Anschauungen, das bestimmten Klasseninteressen zum Ausdruck bringt und entsprechende Verhaltensnormen, Wertungen und Einstellungen einschließt.
Zentral ist also die Verbesserung des Status der zugehörigen Klasse oder der Statuserhalt. Wenn man Unterrichtsmethoden fordert, die schwächere SchülerInnen benachteiligen und solche mit akademisch geprägtem Elternhaus bevorzugen, erhärtet sich der Verdacht der Umsetzung eigener ideologisch geprägter Interessen. Wenn wir es schaffen wollen, jedem Kind die Chance zu bieten das Beste aus sich zu machen kann dann überhaupt von Ideologie gesprochen werden? Wenn ein Schulsystem dazu genutzt wird, jedem Kind basierend auf seinen individuellen Fähigkeiten, die bestmögliche Unterstützung zu gewähren und Schwächen gezielt abzubauen, dann fällt es schwer Entscheidungen als ideologisch abzutun. Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen die Unsinnigkeit von Diktaten als benotete Leistungsprüfung. Spätestens hier werden gegenteilige Entscheidungen rein ideologisch. Allein aufgrund des Pisa-Ergebnisse ist das nicht zu vertreten. Benotete Diktate sind reaktionär und helfen den Kindern nicht. Sie gehören abgeschafft.
Nach vehementen Protesten aus der Bevölkerung und nach scharfer Kritik auch aus den eigenen Reihen, musste Bezirksamtsleiter Schreiber Konsequenzen ziehen. Der “Anti-Obdachlosenzaun” unter der Kersten-Miles-Brücke ist am Freitagnachmittag abgebaut worden. Das Jusoforum begrüßt die Entscheidung, nun an einem runden Tisch nach Lösungen zu suchen. Der Bezirk sei, so Schreiber, offen für Alternativen.
Hamburg ist eine Großstadt, die zweitgrößte in Deutschland. In unserer Stadt findet sich das komplette Spektrum menschlichen Daseins und das ist gut so. In einer pluralistischen Gesellschaft finden sich leider immer auch Menschen, die es aus eigenem Antrieb nicht schaffen sich in ihr zu Recht zu finden. Hier greift eine der größten Errungenschaften unseres Staates ein. Als Gemeinschaft, als Sozialstaat stellen wir uns solidarisch hinter die Menschen um ihnen zu helfen. Es wird immer Menschen geben, die es trotz all dieser Anstrengungen nicht schaffen und Schicksale, die es nicht erlauben sich in unsere Gesellschaft einzufinden; oder die, die es schlicht nicht wollen. Sie schlafen im Freien ohne Obdach. Die Gründe dafür sind komplex und niemals stereotyp. Diese Gesellschaft verträgt das und wird weiter sozialschwachen und benachteiligten Menschen helfen und zur Seite stehen.
Der Bezirksamtsleiter Markus Schreiber aus Hamburg-Mitte sieht das etwas anders. Zum zweiten Mal versucht er sich einer „unerträglichen“ Situation zu entledigen. Welches Menschenbild hinter solchen Formulierungen steckt, ist schwer nachzuvollziehen. Im letzten Jahr wurde die Kersten-Miles-Brücke in ihren historischen Zustand versetzt. Im Zuge der 100.000 Euro teuren Maßnahmen wurde gleich ein „Obdachlosenschreck“ eingebaut. Der Platz erhielt einen Wasser führenden Bach und Felssteine wurden aufgestellt.


